01. September 2016 · Kommentare deaktiviert für Wein, Fruchtsaft, Käse – Ist das wirklich vegetarisch? · Kategorien: Ernährung, Vegetarier sein · Tags: , , , , ,

Eine leckere Käseplatte mit einem feinen Grauburgunder, dazu ein Gläschen Orangensaft. Klingt nach einem perfekten vegetarischen Frühstück. Leider ein Trugschluss. Denn die Lebensmittelindustrie verwendet tierische Produkte bei der Herstellung von Produkten, die eigentlich vegetarisch oder vegan klingen. Das Hauptproblem: Oft ist dies für den Verbraucher nicht zu erkennen.

Welche Lebensmitteln sind vegetarisch: Fehlende Kennzeichnung ist das Problem

Wirklich vegetarische LebensmittelKein Fisch, kein Fleisch, keine Gelatine – so weit, so klar. Wer sich vegetarisch ernährt, wirft im Zweifelsfall einen Blick auf die Zutatenliste. Doch was ist, wenn dort nicht alle tierischen Produkte zu finden sind? Verbraucherschützer wie der Vegetarierbund oder Foodwatch kritisieren schon lange die fehlende Kennzeichnung von tierischen Inhaltsstoffen bei Lebensmitteln. Ihre Forderung: Eine deutlichere Kennzeichnung, damit jeder sicher sein kann, dass ein vegetarisches oder veganes Produkt auch wirklich tierfrei ist. Bisher können sich Verbraucher auf die Zutatenliste nicht verlassen.



Gelatine: Klärmittel ohne Kennzeichnung

Bei der Produktion von Getränken werden Trübstoffe und unerwünschte Aroma- oder Farbstoffe entfernt. Bei diesem Klärungsprozess kommen tierische Stoffe wie Gelatine zum Einsatz. Dies gilt für alkoholische Getränke wie Wein, Sekt, Bier und Wodka aber auch Säfte oder Limonaden. Auch bei gefärbten und aromatisierten Mischgetränken ist Vorsicht geboten. Hier können auch Aroma- und Farbstoffe tierischer Herkunft sein.

Da Klärstoffe wie Gelatine nur im Produktionsprozess verwendet werden, also als technische Hilfsmittel zählen, sind sie nicht kennzeichnungspflichtig. Für den Verbraucher ist es somit unmöglich, anhand des Etiketts zu erkennen, ob Gelatine oder andere tierische Produkte verwendet wurden.

5 gebräuchliche Klärmittel:

  • Speisegelatine: Meist aus Schwarten, Knochen, Knorpeln und Sehnen von Schweinen oder Rindern gewonnen
  • Hausenblase: Getrocknete Schwimmblase von Stören oder Welsen
  • Knochenkohle: Aus tierischen Quellen gewonnene Aktivkohle
  • Kasein und Kaliumkaseinate: Werden aus Kuhmilch gewonnen
  • Molkenproteine (Lactalbumin): Werden aus Kuhmilch gewonnen

Wie erkennen Sie, ob ein tierisches Klärmittel verwendet wurden?

Es gibt zwei Wege, um Gelatine & Co zu vermeiden: Die erste Möglichkeit ist, Sie achten auf vegane Siegel wie das V-Label. Wenn ein Produkt als „vegan“ deklariert ist, können Sie sicher sein, dass bei Zutaten und im Herstellungsprozess keine tierischen Produkte verwendet werden. Neben den Klärstoffen betrifft das im Falle von Getränken auch Farbstoffe, wie beispielsweise „echtes Karmin“, das aus dem Blut von Schildläusen gewonnen wird. Nicht kontrolliert werden allerdings die Verpackungen. So wird das Kasein, das als Klebstoff für Etiketten zum Einsatz kommt, nicht bei der Deklaration beachtet.

Die zweite Möglichkeit, um tierfreie Getränke zu erkennen, ist die Nachfrage beim Hersteller. Bei Produkten ohne Label kann der Hersteller Auskunft geben, welche Inhaltsstoffe, Klärmittel und Klebstoffe bei den Produkten verwendet wurden.

Lab: Nicht jeder Käse ist vegetarisch

Im Gegensatz zu Veganer essen Vegetarier Käse, da sie nur auf die Produkte verzichten wollen, für die ein Tier sterben musste. Bei Käse kann diese Unterscheidung allerdings schwierig sein. Käse entsteht durch die Gerinnung von Eiweiß in der Milch. So wird die Milch eingedickt, ohne sauer zu werden. Für diesen Prozess wird Lab verwendet. Lab ist ein Enzym aus den Mägen von Kälbern gewonnen, denn bei Jungtieren, die noch Milch trinken, sind besonders viele Enzyme vorhanden, die zum Spalten des Milcheiweißes Kasein gebraucht werden.Lab muss auf dem Etikett nicht deklariert werden, da es ähnlich wie Gelatine nur ein Hilfsstoff bei der Produktion ist. Doch nicht jeder Käse wird mit tierischem Lab hergestellt. Manche Käsesorten werden mit pflanzlichem oder mikrobiellem Lab hergestellt. Oft ist dieser Hinweis auf der Packung vermerkt. So müssen Vegetarier nicht auf Käse verzichten und können ohne schlechtes Gewissen ihr Käsebrot genießen.



Auch andere Milchprodukte wie Frischkäse oder Joghurt müssen Vegetarier etwas genauer unter die Lupe nehmen. Zur Verdickung und als Geliermittel wird oftmals Gelatine verwendet und das nicht nur bei Süßigkeiten. Neben Gummibärchen, Schokoküssen oder Kaubonbons kann sich auch in Puddingpulver, oder eben in Frischkäse und Joghurt Gelatine verbergen. In diesem Fall heißt es aber: Augen auf. Gelatine als Zutat muss auf der Verpackung aufgeführt werden. Allerdings versteckt sie sich oft unter der Bezeichnung „E 441„. Wer also bei Käse auf tierisches Lab und Gelatine verzichten will, sollte die Zutatenliste beachten und auf den Verweis „mikrobielles Lab“ schauen. Im Zweifelsfall gilt auch hier: Lieber nachfragen und auf Nummer Sicher gehen.

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